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Flutkatastrophe 2013: Steuererleichterungen für Unternehmen und Privatpersonen bei Hochwasserschäden

Durch das Hochwasser im Juni 2013 sind speziell in den Bundesländern Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen große Flutschäden entstanden. Den Geschädigten soll auch durch steuerliche Maßnahmen zur Vermeidung unbilliger Härten geholfen werden. Einzelheiten regeln spezielle Billigkeitsrichtlinien der zuständigen Finanzminister in den genannten Ländern. Wo nichts geregelt ist, gelten die allgemeinen Vorschriften für Ermessensentscheidungen und Billigkeitserlasse. Die nachfolgenden Ausführungen orientieren sich an dem Erlass des Staatsministeriums der Finanzen im Freistaat Sachsen vom 04. Juni 2013 über Maßnahmen zur Berücksichtigung der durch das Hochwasser Anfang Juni 2013 verursachten Schäden. Im Überblick ergeben sich folgende Maßnahmen und Verfahrenserleichterungen:

1. Sofortmaßnahmen

  • Bis zum 30. September 2013 können Stundungen der bis zu diesem Zeitpunkt fällig werdenden Steuern des Bundes und des Landes sowie Anpassungen der Vorauszahlungen auf die Einkommensteuer (Körperschaftsteuer) unter Darlegung der Verhältnisse ohne größere Nachweise beantragt werden. Auf die Erhebung von Stundungszinsen kann in der Regel verzichtet werden. Anträge auf Stundungen der nach dem 30. September 2013 fälligen Steuern sowie Anträge auf Anpassung der Vorauszahlungen nach diesem Zeitpunkt sind besonders zu begründen. Eine Stundung von Lohnsteuern und sonstigen Abzugssteuern kann in der Regel allerdings nicht gewährt werden.
  • Von Vollstreckungsmaßnahmen wird gegenüber dem genannten Personenkreis bis 30. September 2013 bei allen rückständigen oder bis zu diesem Zeitpunkt fällig werdenden Steuern abgesehen. In den Fällen eines solchen Vollstreckungsaufschubs werden die zwischen dem 1. Juni 2013 und dem 30. September 2013 entstehenden Säumniszuschläge erlassen.

2. Steuererleichterungen für Unternehmen

  • Beim Wiederaufbau ganz oder teilweise zerstörter Gebäude können auf Antrag im Wirtschaftsjahr der Fertigstellung und in den beiden folgenden Wirtschaftsjahren zusätzlich zur normalen Abschreibung insgesamt bis zu 30 Prozent der Herstellungs- oder Wiederherstellungskosten abgeschrieben werden.
  • Bei beweglichen Anlagegütern, die als Ersatz für vernichtete oder verloren gegangene bewegliche Anlagegüter angeschafft oder hergestellt worden sind, können auf Antrag im Wirtschaftsjahr der Anschaffung oder Herstellung und in den beiden folgenden Wirtschaftsjahren neben der normalen Abschreibung bis zu insgesamt 50 Prozent der Anschaffungs- oder Herstellungskosten abgeschrieben werden.

Die Sonderabschreibungen können nur für Wirtschaftsgüter in Anspruch genommen werden, die vor dem 1. Januar 2017 angeschafft oder hergestellt werden.

  • Wo außergewöhnlich hohe, nicht sofort finanzierbare Reparatur- und Wiederbeschaffungskosten entstehen, kann in begründeten Ausnahmefällen für die Ersatzherstellung bzw. Ersatzbeschaffung in Wirtschaftsjahren, die vor dem 1. Januar 2017 enden, die Bildung einer steuerfreien Rücklage bis zu 30 Prozent bzw. 50 Prozent der Anschaffungs- und Herstellungskosten zugelassen werden.

Die Gewinnminderung durch Sonderabschreibungen und Bildung von steuerfreien Rücklagen ist grundsätzlich auf insgesamt 600.000 Euro und jährlich auf 200.000 Euro begrenzt.

  • Aufwendungen für die Wiederherstellung beschädigter Betriebsgebäude und beschädigter beweglicher Anlagegüter sowie Aufwendungen zur Beseitigung von Schäden am Grund und Boden werden ohne nähere Prüfung in den Jahren 2013 bis 2016 als Erhaltungsaufwand anerkannt. Das gilt bei Gebäuden nur, wenn die Aufwendungen 45.000 EUR nicht übersteigen. Gleiches gilt für Wohngebäude.
  • Bei Landwirten, deren Gewinn nach Durchschnittssätzen ermittelt wird, kann die Einkommensteuer ganz oder zum Teil erlassen werden, soweit durch die Hochwasserschäden Ertragsausfälle eingetreten sind.

3. Steuererleichterungen für Privatpersonen

  • Bei eigengenutzten Wohnungen können die, um eine eventuelle Wertsteigerung geminderten, nicht durch Entschädigungszahlungen abgedeckten Aufwendungen für die Beseitigung von Schäden als außergewöhnliche Belastungen abgezogen werden.
  • Wurden Hausrat und andere existenziell notwendige Gegenstände (Wohnung, Hausrat, Kleidung) beschädigt oder vernichtet, können Aufwendungen für die Wiederbeschaffung als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden.

4. Vereinfachte Spendenbescheinigung

Für den Nachweis von Spenden, die bis zum 30. September 2013 zur Hilfe in Katastrophenfällen auf ein für den Katastrophenfall eingerichtetes Sonderkonto eingezahlt werden, genügt der Bareinzahlungsbeleg oder die Buchungsbestätigung (z. B. Kontoauszug oder Lastschrifteinzugsbeleg).

5. Ansprechpartner

Allen Betroffenen wird empfohlen, sich wegen möglicher steuerlicher Hilfsmaßnahmen mit ihrem Finanzamt in Verbindung zu setzen. Wegen eines ggf. teilweise in Betracht kommenden Erlasses der Grundsteuer aufgrund wesentlicher Ertragsminderung gemäß § 33 GrStG sollten sich die Betroffenen rechtzeitig an die Gemeinden wenden.

Quelle: Medienservice Sachsen vom 04.06.2013. Die Details dazu regelt der genannte Billigkeitserlass für Sachsen, den Sie hier zum Download finden.

 

Speziell für Bayern sind die Billigkeitsregelungen in dem Billigkeitserlass des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen vom 03.06.2013 "Steuerliche Maßnahmen zur Berücksichtigung von Hochwasserschäden" geregelt. Den folgenden Text finden Sie hier. Außerdem gibt es noch Soforthilfen in Form von Barzuschüssen. Antragsformulare und Ansprechpartner finden Sie hier.

 

Auch das Land Thüringen biete auf der Homepage der Thüringer Staatskanzlei umfangreich Informationen zu Soforthilfeprogrammen für Bürger, Unternehmer und Kommunen einschließlich Antragsformulare und Ansprechpartner. Hier gibt es auch noch speziell ein Infoblatt über Flutopferhilfe für gemeinnützige Vereine und besondere Kunstwerke.

Die Regelungen für Steuerliche Maßnahmen zur Berücksichtigung von Schäden aufgrund des Hochwassers Anfang Juni 2013 im Land Sachsen-Anhalt finden Sie auf der entsprechenden Informationsseite des Ministeriums in Sachsen-Anhalt hier. Auf der Ministeriumsseite gibt es außerdem noch zahlreiche weitere Informationen und Updates. 

Die Regelungen sind unterschiedlich je nach Bundesland.

Informieren Sie sich über die für Sie geltenden Hilfsmaßnahmen bei Ihrer Gemeinde bzw. im Internet über die entsprechenden Internetseiten der jeweiligen Landesfinanzministerien. Insbesondere ist an folgende Maßnahmen zu denken:

  • Steuerliche Maßnahmen
  • Sofortmaßnahmen bei Hochwasserschäden
  • Steuerfreie Arbeitgeberzuschüsse
  • Erleichterungen beim Spendennachweis
  • Steuerfreistellung von Arbeitslohnspenden
  • Steuerstundung, Anpassung von Vorauszahlungen und Vollstreckungsaufschub
  • Steuererlass z.B. bei Grundsteuer und Gewerbesteuer
  • Hilfsmaßnahmen bei Wiederaufbau und Folgenbeseitigung
  • Sonderabschreibungen und Rücklagenbildung für Betriebe
  • Sonderregelungen für Landwirtschaft
  • Besonderheiten beim Abzug von Erhaltungsaufwand für Vermieter
  • Sonderregelungen für steuerfreie Arbeitgeberdarlehen
  • Regelungen zum Abzug von Wiederbeschaffung von Hausrat und Kosten der Schadensbeseitigung in der eigenen Wohnung als außergewöhnliche Belastung bei der Einkommensteuer und als Eintragung auf der Lohnsteuerkarte
  • Direktzuschüsse
  • Sowohl für Bürger wie auch für Unternehmen werden in vielen Fällen Direktzuschüsse für Sofortmaßnahmen gewährt.
  • Einzelheiten und Antragsformulare finden Sie auf den entsprechenden Seiten der Landesministerien.

Stand: 17.06.2013 / bpw / DB

http://www.bpw-online.de/steuertipps/flutkatastrophe-2013-steuererleichterungen-fuer-unternehmen-und-privatpersonen-bei-hochwasserschaeden.html